Ruprechtsviertel

9 Baron von Sina
Baron Sina
Wappen der Sinas

Das Wappen der Sinas, derzeit über dem Tor des Federlhofes am Lugeck mit dem Wahlspruch:
„servare intaminatum, “unversehrt bewahren”, "to remain intact"

Haus von Sina

Ausschnitt aus dem Stadtplan von Wien um 1830 von Carl Graf Vasquez
http://www.wien.gv.at/kultur/kulturgut/karten/

Tafel am ehem. Palais Sina

Diese Stein-Tafel wurde in Erinnerung an das
Palais Sina
Ecke Hoher Markt 8 / Judengasse 1 angebracht:

"Auf den Spuren der Serben Wien's" ein historisch-soziologisches Porträt von

Univ. Lekt. Prof. Dr. Wolfgang Rohrbach

aus http://vgarchiv.orf.at/austria/de/features/rohrbach/mi_voelkerverbindung.htm

Die serbischen Bewohner  Wiens pflegten überaus rege geschäftliche und freundschaftliche Beziehungen zu den griechischen Aramunen (Zinzaren). Sie verband derselbe Glaube, zumal sie ja gleichzeitig bis ins letzte Quartal des 19. Jahrhunderts dieselben Gotteshäuser besuchten. Dejan Medakovic kommentiert diese Beziehung: "Es handelte sich um eine außerordentliche geistige Einigkeit, deren Grundlage die gemeinsame orientalisch-orthodoxe Religion bildete. Auf diese Weise schufen die Serben und die griechischen Aramunen im Rahmen  des Wiener Kulturmosaiks eine besondere kulturelle Schicht, deren Vertreter dank ihres Fleisses und ihrer kaufmännischen Geschicklichkeit sehr schnell auch in die höchsten gesellschaftlichen Schichten des österreichischen Staates aufsteigen konnten. Diesen Menschen bot sich die Gelegenheit,  auch in den Adelsstand erhoben zu werden, sei es auf Grund militärischer Verdienste in den zahlreichen Kriegen oder aber auf Grund ihres Grundbesitzes."

Eine wahre Inkarnation dieser Beziehungen stellt die Sina-Dynastie dar. Die Repräsentanten dieser  Kaufmanns- und Bankierfamilie werden in den Quellen sowohl als mazedonische  Griechen als auch als mazedonische Serben bezeichnet. Die Familie stammte  aus Thessaloniki, hielt sich aber seit der Mitte des 18. Jahrhunderts grossteils in Sarajewo bzw. Nisch auf.

Der 1753 in Bosna Serai (heute Sarajewo) geborene Kaufmann Simon Georg Sina d. Ältere, kam um 1800 mit seiner Familie nach Wien. Er schuf sich durch den Import bzw. Transithandel von Tabak  einen erheblichen Reichtum und steigerte wesentlich den Außenhandel Österreichs  mit der Türkei. 1818 wurde er in den ungarischen Adelsstand erhoben. Selbst im Palais Sina am Hohen Markt Nr. 9 wohnend, erwarb er für seinen in Bank- und Handelsgeschäften äußerst versierten Sohn aus erster Ehe, Georg Simon  Sina (geb. 1783 in Nisch), die alten Häuser Nr. 689-693 am Fleischmarkt.  Der Plan, an Stelle der alten Häuser ein stattliches Wohn- und Bankhaus zu errichten, konnte aber erst durch den Sohn verwirklicht werden, denn  der Vater Simon Georg Sina d. Ältere starb 1822 (69-jährig).


Schon wenige Monate nach dem Tode des Vaters baute Georg Simon Sina sein Bank- und Handelsimperium auf.

Vornehme Geschäftspartner  trafen einander schon damals gern in den in Mode gekommenen Cafehäusern Wiens. Deshalb entstand 1829 auf Anregung des Bankiers auch in seinem  eigenen Haus am Fleischmarkt Nr. 20/22 ein Cafe. Wie es dazu kam, schildert Paul Harrer in seinem Werk "Wien - seine Häuser, Menschen und Kultur" folgend:

"1829 wurde das 'griechische Kaffeehaus' seit 1827 im Besitze  des Herrn Kappelmayer, vom 'weissen Ochsen' hierher verlegt, das 1840 noch als 'das griechische' galt". Der gastronomische Betrieb existiert bis heute. Es ist das Cafe-Restaurant VIENNE, in welchem oberhalb der Schank das Bild G.S. Sinas zu sehen ist.

Baron G.S. Sina  galt (nach Salomon Rothschild; gest. 1855) als der zweitreichste Mann Österreichs. Doch er ließ auch weniger Glückliche von seinem ungeheurem Reichtum  profitieren. Seine Spende an Kriegsinvalide, bzw. an Not leidende Menschen, sind ebenso erwähnenswert wie seine finanzielle Hilfe im Unabhängigkeitskampf  der Balkanvölker gegen die türkische Herrschaft.


Gewiss verdankte der Bankier, der auch einer der bekanntesten Generalagenten der aufstrebenden altösterreichischen Assekuranz wurde, seinen Reichtum Geschäftsbeziehungen mit den griechischen und serbischen Kaufleuten. Aber  auch hier setzte G.S. Sina ein großzügiges Zeichen. Er hinterließ ein Vermögen von 50 Millionen Gulden für die griechisch-serbisch orthodoxe Kirche in Wien und ihre Gemeinde.

Nach dem Tode G.S. Sina (1856) ging  die Bank auf Simon Georg S. den Jüngeren (1810-1876) über. Dieser dankte den Griechen ihre Treue als Geschäftspartner und Freunde, indem er im Jahr 1858 zur Gänze aus eigenen Mitteln den Bau der griechischen Kirche  am Fleischmarkt finanzierte. Eine Marmortafel in der griechischen Kirche  erinnert an diese Stiftung des Bankiers Simon G. Freiherr von Sina, der  in seiner Funktion als königlich griechischer Gesandter den Sakralbau durch den berühmten Architekten Theophil Hansen erweitern ließ. (Felix Czeike, Historisches Lexikon Wien, Band 5)

In dieser Zeit gab es schon deutliche Bestrebungen der Serben, eine eigene Kirche in Wien zu errichten. Dass ab dieser Zeit vorwiegend von einer griechischen und nicht mehr griechisch-serbischen Kirche gesprochen wurde, hatte auch taktische Gründe und änderte nichts an den positiven Beziehungen zwischen Griechen und Serben.

Aber nicht nur der Handel und das Gewerbe zog Fremde nach Wien. Auch die Wiener Universität und die Militärakademie in Wiener Neustadt wirkten wie Magneten auf wohlhabende  Ausländer. Diese errichteten im 18. und 19. Jahrhundert eine große Zahl stattlicher Bürgerhäuser oder prunkvoller Palais als ihre Wohnstätten  in der Residenzstadt.

Der Serbischen Zeitung (Nr. 104 vom 28.12.1818)  ist zu entnehmen, dass für die Serben die Wiener Universität seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert ein attraktives Zentrum für Studien verschiedener  wissenschaftlicher Disziplinen war. In den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts taten sich besonders serbische Medizinstudenten hervor.

Gr. Kirche am Fleischmarkt

Die Griechisch orthodoxe Kirche am Fleischmarkt in Wien sowie die das Observatorium am Nymphenhügel in Athen (1846) und die Akademie Wissenschaften in Athen (1856) wurden von Baron Sina finanziert und von Theophil Hansen errichtet.

Observatorium Athen

http://www.eie.gr/Hasi/hasi/institut/noa.htm

Akademie d. Wissenschaften in Athen

Die Sinas gehörten der ethnischen Gruppe der Aromanians an, einer Volksgruppe welche nach                                 http://en.wikipedia.org/wiki/Aromanians :                                                                                                                                       are not regarded as an ethnic minority in Greece, but are considered "Latin-speaking Greeks" (i.e. Greeks that speak a Romance language).

http://encyclopedia.thefreedictionary.com/Aromanians

Map-balkans-vlachs

http://assembly.coe.int/Documents/WorkingDocs/doc97/edoc7728.htm

Many illustrious names of Aromanian origin are to be found among the protagonists of the revolution and the outstanding figures in Greek culture and political life. Three examples are Baron George Sina, Marshal Constantin Smolensky, Patriarch Athenagoras and the Minister of Foreign Affairs Averoff. This is explained by the fact that many Aromanians were won over to Hellenic culture under the influence of the Greek school and church, because at the time the only nationality in Turkey entitled to maintain national schools, churches and cultural institutions were the Greeks. Taking advantage of the privileges granted to the Christians by the earliest Sultans, the Patriarchs of Constantinople - all of whom were of Greek origin - had become the ecclesiastical and civil leaders of all the Orthodox populations of the Empire. In fact, the Turks referred to all these peoples by the collective name of Rum, designating Christians (of the Eastern Roman Empire).

After independence, many Balkan countries adopted a policy of setting up national schools and granting independence to their churches. This trend was a token of their national emancipation and marked the development of the Romanian, Bulgarian, Greek and Serb societies during the second half of the nineteenth century.