|
Der 1753 in Bosna Serai (heute Sarajewo) geborene Kaufmann Simon Georg Sina d. Ältere, kam um 1800 mit seiner Familie nach Wien. Er schuf sich durch den Import bzw. Transithandel von Tabak einen erheblichen Reichtum und steigerte wesentlich den Außenhandel Österreichs mit der Türkei. 1818 wurde er in den ungarischen Adelsstand erhoben. Selbst im Palais Sina am Hohen Markt Nr. 9 wohnend, erwarb er für seinen in Bank- und Handelsgeschäften äußerst versierten Sohn aus erster Ehe, Georg Simon Sina (geb. 1783 in Nisch), die alten Häuser Nr. 689-693 am Fleischmarkt. Der Plan, an Stelle der alten Häuser ein stattliches Wohn- und Bankhaus zu errichten, konnte aber erst durch den Sohn verwirklicht werden, denn der Vater Simon Georg Sina d. Ältere starb 1822 (69-jährig).
Schon wenige Monate nach dem Tode des Vaters baute Georg Simon Sina sein Bank- und Handelsimperium auf.
Vornehme Geschäftspartner trafen einander schon damals gern in den in Mode gekommenen Cafehäusern Wiens. Deshalb entstand 1829 auf Anregung des Bankiers auch in seinem eigenen Haus am Fleischmarkt Nr. 20/22 ein Cafe. Wie es dazu kam, schildert Paul Harrer in seinem Werk "Wien - seine Häuser, Menschen und Kultur" folgend:
"1829 wurde das 'griechische Kaffeehaus' seit 1827 im Besitze des Herrn Kappelmayer, vom 'weissen Ochsen' hierher verlegt, das 1840 noch als 'das griechische' galt". Der gastronomische Betrieb existiert bis heute. Es ist das Cafe-Restaurant VIENNE, in welchem oberhalb der Schank das Bild G.S. Sinas zu sehen ist.
Baron G.S. Sina galt (nach Salomon Rothschild; gest. 1855) als der zweitreichste Mann Österreichs. Doch er ließ auch weniger Glückliche von seinem ungeheurem Reichtum profitieren. Seine Spende an Kriegsinvalide, bzw. an Not leidende Menschen, sind ebenso erwähnenswert wie seine finanzielle Hilfe im Unabhängigkeitskampf der Balkanvölker gegen die türkische Herrschaft.
Gewiss verdankte der Bankier, der auch einer der bekanntesten Generalagenten der aufstrebenden altösterreichischen Assekuranz wurde, seinen Reichtum Geschäftsbeziehungen mit den griechischen und serbischen Kaufleuten. Aber auch hier setzte G.S. Sina ein großzügiges Zeichen. Er hinterließ ein Vermögen von 50 Millionen Gulden für die griechisch-serbisch orthodoxe Kirche in Wien und ihre Gemeinde.
Nach dem Tode G.S. Sina (1856) ging die Bank auf Simon Georg S. den Jüngeren (1810-1876) über. Dieser dankte den Griechen ihre Treue als Geschäftspartner und Freunde, indem er im Jahr 1858 zur Gänze aus eigenen Mitteln den Bau der griechischen Kirche am Fleischmarkt finanzierte. Eine Marmortafel in der griechischen Kirche erinnert an diese Stiftung des Bankiers Simon G. Freiherr von Sina, der in seiner Funktion als königlich griechischer Gesandter den Sakralbau durch den berühmten Architekten Theophil Hansen erweitern ließ. (Felix Czeike, Historisches Lexikon Wien, Band 5)
In dieser Zeit gab es schon deutliche Bestrebungen der Serben, eine eigene Kirche in Wien zu errichten. Dass ab dieser Zeit vorwiegend von einer griechischen und nicht mehr griechisch-serbischen Kirche gesprochen wurde, hatte auch taktische Gründe und änderte nichts an den positiven Beziehungen zwischen Griechen und Serben.
Aber nicht nur der Handel und das Gewerbe zog Fremde nach Wien. Auch die Wiener Universität und die Militärakademie in Wiener Neustadt wirkten wie Magneten auf wohlhabende Ausländer. Diese errichteten im 18. und 19. Jahrhundert eine große Zahl stattlicher Bürgerhäuser oder prunkvoller Palais als ihre Wohnstätten in der Residenzstadt.
Der Serbischen Zeitung (Nr. 104 vom 28.12.1818) ist zu entnehmen, dass für die Serben die Wiener Universität seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert ein attraktives Zentrum für Studien verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen war. In den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts taten sich besonders serbische Medizinstudenten hervor.
|