Ruprechtsviertel

Marie von Ebner-Eschenbach

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Porträt v, M. v. Ebner-Eschenbach
Wappen der Ebner
Wappen d. Dubsky von Trebomyslic

Freifrau Marie von Ebner-Eschenbach (Marie Gräfin Dubská z Trebomyslic) wurde am 13.September 1830 auf Schloss Zdislawitz bei Kremsier in Mähren geboren.

Schloß Zdislavice, Geburtsort

Sie war die Tochter des Grafen Dubský, aus dem alten böhmisch-katholischen Adelsgeschlecht der Dubský von Trebomyslic. Mütterlicherseits wurde sie von ihrer Großmutter, väterlicherseits von ihrer Tante Helen, sowie von tschechischen Dienstmägden und von deutschen und französischen Gouvernanten geprägt. Folglich hatte sie das Glück, verschiedene Sprachen erlernt zu haben: Deutsch, Französisch und Tschechisch, wobei Französisch die Muttersprache war. Mit 18 Jahren heiratete sie ihren Cousin Moritz von Ebner-Eschenbach, Professor an der Ingenieur-Akademie in Wien, später wurde er Feldmarschallleutnant und Mitglied der Militärakademie
Im Jahre 1856 zog Marie dauerhaft nach Wien, wo sie 1879 eine Uhrmacher-Ausbildung absolvierte, was für eine Frau damals ungewöhnlich war.
Im Laufe der Zeit wandte sie sich ganz der Literatur zu. Während fast 20 Jahren schrieb sie Dramen und Romane. Mit Werken wie den „Aphorismen“ (1880) und den „Dorf- und Schlossgeschichten“ (darin befand sich ihre wohl  bekannteste Novelle „Krambambuli”) gelang ihr schliesslich der endgültige Durchbruch. Sie konzentrierte sich schliesslich auf ihre erzählerischen Dichtungen, in denen man wichtige Elemente ihres sozialen Denkens und ihres politischen Bewusstseins finden kann. 1880 veröffentlichte sie ihre Erzählung „Lotti die Uhrmacherin“, 1887 erschien ihr Roman „Das Gemeindekind”, der bis heute eine grosse Bedeutung in der Literatur hat.

In der Erzählung „Lotti die Uhrmacherin“, welche autobiographische Züge trägt, läßt sie Lotti wohl ihre eigene innige Beziehung zu Wien beschreiben. Marie von Ebner Eschenbach wohnte damals im Haus “Zu den drei Raben” in der Rotenturmstraße 21:

.... Es war ein trauliches Gemach, dessen Fenster auf einen kleinen Platz sah – einen sehr kleinen, denn er wurde von nur vier Häusern gebildet; doch war er luftig und hell und gewährte den Anblick eines beträchtlichen Stückes Himmel, was gewiß kein geringer Vorzug war. Es will etwas heißen, im Herzen der Zivilisation zu wohnen, im Mittelpunkt der Hauptstadt, tausend Schritte vom Dome, den zu sehen viele Leute tausend Meilen weit hergezogen kommen, und dabei von seinem Fenster aus Wetterbeobachtungen fast wie Knauer und das Studium des Sternenlaufes fast wie ein Chaldäer betreiben zu können, Wolken und Vögel ziehen und der Sonne und dem Mond ins Gesicht zu sehen ...
 

1898 wurde sie mit dem höchsten Zivilorden Österreichs, dem Ehrenkreuz für Kunst und Literatur, ausgezeichnet und war 1900 erster weiblicher Ehrendoktor der Wiener Universität.

Marie von Ebner-Eschenbach stand mit dem von ihr bewunderten Dichter Franz Grillparzer (1791–1872), dem Dichter und Publizisten Heinrich Laube (1806–1884), dem Dichter Christian Friedrich Hebbel (1813–1863) und dem Schriftsteller Ferdinand von Saar (1833–1906) in Verbindung.

Im Alter verdichtete sie ihre epische Sprache zur kleinsten Form, dem Aphorismus. Darunter versteht man einen kurzen und kritischen Prosaaussprüch, dessen Wirkung von der Originalität des überraschenden geistreichen Einfalls und der zugespitzten Formulierung abhängt. Hier eine kleine Auswahl:.

Ein Mann mit grossen Ideen ist ein unbequemer Nachbar.
Man kann nicht allen helfen, sagt der Engherzige und hilft keinem.
Nur der Denkende erlebt sein Leben, am Gedankenlosen zieht es vorbei.
Wir sind leicht bereit, uns selbst zu tadeln, unter der Bedingung - dass niemand einstimmt.
Man bleibt jung, solange man noch lernen, neue Gewohnheiten annehmen und einen Widerspruch ertragen kann.

In ihren von Humanität geprägten Büchern schrieb Marie von Ebner-Eschenbach über den Adel und das Bürgertum von Wien sowie über die Welt der mährischen Bauern. Zwischen den Zeilen ihrer Prosa übte sie diskret und beharrlich Gesellschafts- und Sozialkritik. Während einer Zeit mit rasanter Entwicklung und gesellschaftlicher Veränderung infolge der technischen Neuerungen machte sie sich zur Anwältin der sozial Benachteiligten und der dienenden Klasse.
In ihren Lebenserinnerungen bezeichnete sie sich selbst als „Sozial-Aristokratin“.

Marie von Ebner-Eschenbach verstarb am 12. März 1916 im Alter von 85 Jahren in Wien und wurde in Zdislawitz begraben.

Familiengruft in Zdislavitz

Zeitlebens sammelte Marie von Ebner-Eschenbach leidenschaftlich Uhren, welche sie sorgsam pflegte und in Gang hielt.

Ihre Sammlung wurde von der Stadt Wien erworben und zwei Jahre nach ihrem Tod gemeinsam mit der Sammlung von Rudolf Kaftan   in einem alten Palais am Schulhof in der Inneren Stadt, im Uhrenmuseum, ausgestellt.

Uhrenverzeichnis von M. v. Ebner-Eschenbach
Uhrensammlung
Ex Libris

Ihre Bibliothek (sie umfaßte nahezu 8000 Bände, 75 Prozent davon in Deutscher Sprache) wurde nach ihrem Tod vom Schloß  Zdislawitz in das Schloß Hoschitz verlegt.

Wiener Zeitung 11 Jänner 1918 Uhrenmuseum
Ehrentafel in Universität

Gedächtnistafel in den Hofarkaden der Wiener Universität