Ruprechtsviertel

4 Obradovic

Am Eingang zum Steyrerhof (auf Höhe Rotenturmstrasse 22, besser bekannte als Strassennische bei den Kammerspielen) befindet sich folgende Erinnerungstafel:

Obradovic - Steyrerhof
Dositej Obradovic

 

HIER LEBTE UND WIRKTE

DURCH VIELE JAHRE

DOSITEJ

OBRADOVIC

1739 - 1811

LITERAT UND REFORMATOR

DER SERBISCHEN KULTUR

 

Dositej Obradovic

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Dositej Obradovic  (geb. um 1739 als Dimitrije in Cakovo (Banat), gest.  1811 in Belgrad) war ein serbischer Schriftsteller, Philosoph, Pädagoge und Volksaufklärer. Er gehörte zu den beachtenswertesten und einflussreichsten Persönlichkeiten des serbischen Volkes im 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts.

Als junger Mann geht Dimitrije Obradovic ins Kloster Novo Hopovo, um Mönch zu werden. Er nimmt den Namen Dositej (Dositheus) an. Dort kommt er zu der Erkenntnis, dass das Leben im Kloster nicht die wahre Bestimmung ist, die er sucht, und er verläßt das Kloster nach drei Jahren. Er beginnt durch die Welt zu reisen und studiert an europäischen Universitäten. Als Lehrer bereist er Europa und Kleinasien. Drei Jahre lang studiert er in Griechenland Philosophie und lernt Griechisch. In Wien bleibt er sechs Jahre und studiert die deutsche Sprache und Kultur. Als Sprachlehrer lehrt er dann in der Vojvodina und in Moldawien. Später schreibt er sich in die Universität von Halle ein, um seine philosophischen Studien fortzusetzen. Erst dort legt er seine Mönchskutte für immer ab. Seine Studien setzt er in Leipzigfort. Hier beginnt er auch mit seiner schriftstellerischen Tätigkeit. 1783 gibt er seine erstes Buch “Zivott i prikljucucenija” (dt. “Das Leben und der Anschluss”) heraus. 1811 wurde er der erste Bildungsminister Serbiens.

Dositej Obradovic brachte Wissen und Ideen unter das Volk und wollte es aufklären. Als einer der Ersten strebte er die Einheit der jugoslawischen Völker an, ungeachtet der religiösen Unterschiede. Er plädierte für den Gebrauch der Volkssprache in der Literatur, für die Befreiung der Frauen aus einer untertänigen Stellung.

Seine bedeutendsten Werke sind: “Das Leben und der Anschluss”, “Fabeln”, “Regierungen der gesunden Vernunft”.

Das serbische Parlament erklärte 2007 zum Jahr von Dositej Obradovic, da vor 200 Jahren Obradovic nach Serbien zurückkehrte.

Wie das Flair Wiens  auf einen Serben der gehobenen Schicht im letzten Quartal des 18. Jahrhunderts  in Wien wirkte, beschreibt der Dichter Dositej Obradovic, der das erste Mal von 1771 bis 1776 und danach von 1785 bis 1787 in der Residenzstadt  weilte:

 "Sechs arbeitssame und von Freude erfüllte Jahre vergingen in Wien wie sechs Tage. Maßvoll lebend, hatte ich niemals einen Grund, krank zu sein. Unentwegt in angenehmer Gesellschaft, wobei ich entweder  andere unterrichtete oder meine eigenen Lektionen lernte, erschienen mir  die Tage nur sonn- und feiertags etwas zu lang. Meiner Auffassung und  Denkweise nach musste ich mich in einer so schönen Stadt, wie es Wien ist, einfach wohl fühlen. Während ich meiner Arbeit und meinen Pflichten  nachging, hatte ich das Gefühl, absolut frei und unabhängig zu sein, da  ich niemandem Rechenschaft ablegen musste. Ich hatte das Gefühl, dass die ganze Stadt Wien mir gehört, da ich in ihr umherspazieren konnte,  soviel ich Lust hatte. Der Augarten, der Prater, sowie alle umliegenden Wälder und Wiesen waren in meiner Gewalt."

Von dem großen Volkskaiser und Reformer Joseph II war D. Obradovic geradezu begeistert. Der Historiker  Dejan Medakovic bemerkt ("Serben in Wien", Seite 193) dazu:

"Im Hintergrund von Dositejs Sympathien für den Kaiser standen sicherlich  auch patriotische Beweggründe, da er überzeugt war, dass Joseph II auch  die Serben in Serbien von der türkischen Herrschaft befreien würde. In  seinem dichterisch verfassten Treueschwur wandte sich Dositej mit folgender  Bitte an den Kaiser:

'Oh, du heilige Krone, oh Du Joseph der Große, breite  Deine Gnade über das serbische Geschlecht aus. Über das arme Serbien und  Bosnien, die unsägliche Qualen leiden...'"

Anbei ein interessanter link in welchem    mittels 28-seitiger Präsentation die    Gründung der Nationalstaaten am   Balkan im 19.Jahrhundert beschrieben wird:

http://userpage.fu-berlin.de/~ulf/19_Jh.pdf