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Ilse Aichinger
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
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Ilse Aichinger wurde mit ihrer Zwillingsschwester Helga als Tochter einer (jüdischen) Ärztin und eines (nicht-jüdischen) Lehrers am 1.November 1921 in Wien geboren. Nach der Scheidung der Eltern (1927) wurden die Schwestern von der Großmutter miterzogen. Nach dem Anschluß Österreichs wurde die Familie verfolgt. Helga konnte im Juli 1939 nach England fliehen, die anderen konnten nicht mehr nachkommen. Die Mutter verlor ihre Stellung, wurde als Erziehungsberechtigte eines "Mischlings 1. Grades" zunächst nicht deportiert und überlebte den Zweiten Weltkrieg in einem Zimmer in der Nähe des Gestapo-Hauptquartiers, während die Großmutter und die jüngeren Geschwister der Mutter verschleppt wurden und umkamen.
Am 1. September 1945 wurde ihre erste literarische Arbeit Das vierte Tor im Wiener Kurier veröffentlicht. Von 1945 bis 1947 studierte Ilse Aichinger Medizin, um schließlich 1948 mit ihrem zum Teil autobiografischen Roman Die größere Hoffnung den Durchbruch als Schriftstellerin zu schaffen.
1951 wurde sie erstmals zur “Gruppe 47” eingeladen, 1952 gewann sie mit ihrer Spiegelgeschichte den Preis der Gruppe.
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1953 heiratete sie den Schriftstellerkollegen Günter Eich. Das Ehepaar lebte mit den Kindern Clemens (1954-1998) und Miriam (geb. 1957) zuerst in Lenggries, dann in Breitbrunn am Chiemsee und ab 1963 in Großgmain bei Salzburg. Nach dem Tod der Mutter (1983) siedelte sie nach Frankfurt am Main und 1988 nach Wien über, wo sie nach einer längeren Schaffenspause Ende der 1990er Jahre wieder zu schreiben begann.
Ilse Aichinger gilt als eine der bedeutendsten Repräsentanten der deutschen Nachkriegsliteratur.
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Werke (eine Auswahl)
- Die größere Hoffnung, 1948
- Spiegelgeschichte, 1949
- Wo ich wohne, Erzählungen, Gedichte, Dialoge, 1963
- Auckland, 4 Hörspiele, 1965
- schlechte Wörter, 1976
- verschenkter Rat, Gedichte, 1978
- Kleist, Moos, Fasane, 1987
- Kurzschlüsse. Wien, Wien 2001 (Prosagedichte)
- Film und Verhängnis. Blitzlichter auf ein Leben, 2001 (Erinnerungen und Filmkritiken)
- Die Kindertransporte 1938/39, Frankfurt 2003
- Der Wolf und die sieben jungen Geißlein, 2004
- Unglaubwürdige Reisen, 2005 (Sammlung von Zeitungsbeiträgen)
- Kurzschlüsse, 2006
- Subtexte, 2006
Hier eine Bearbeitung der Spiegelgeschichte durch Dr.W. Trömer: www.kerber-net.de/literatur/deutsch/prosa/aichinger/spiegelgeschichte_text.pdf.
Auszeichnungen und Ehrungen (eine Auswahl)
- 1952 Literaturpreis der Gruppe 47
- 1968 Anton-Wildgans-Preis
- 1974 Literaturpreis der Stadt Wien
- 1983 Franz-Kafka-Preis
- 1991 Großer Literaturpreis der Bayrischen Akademie der schönen Künste
- 1995 Großer Österreichischer Staatspreis für Literatur
- 1995 Österreichischer Staatspreis für Europäische Literatur
- 2002 Ehrenpreis des Österreichischen Buchhandels für Toleranz in Denken und Handeln
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In den Jahren 1942 bis 1945 lebte Ilse Aichinger mit ihrer Mutter im Hause Mark Aurel-Strasse 9.
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In der Erzählung Der Kai,1944 (aus Blitzlichter auf ein Leben, 2001) beschreibt die Schriftstellerin in knappen Worten, das äußerst angespannte Leben, man kann die Angst und Ungewissenheit, welche ihr junges Leben prägte, nur erahnen:
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.... Meine Mutter und ich waren zu einer Zeit, als sich das Gestapo-Hauptgebäude noch nicht in einen Gedenkstein verwandelt hatte, in ein Haus sehr nahe davon eingewiesen worden. ....
.... In diesem Hause wohnten wir lange. Auch als es niemanden mehr über die Brücken zu schaffen gab, keine Lastwagen mehr, kaum Züge und die Brücken zum Teil schon zerstört waren. ...
.... Die Bomben fielen, ich hörte noch Steine stürzen und zerbröckeln in den Kellern, die vor nichts schützten.
.... Wir jedenfalls, meine Mutter und ich, kamen davon. Aber kamen wir davon? .....
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